Die Blume des Monats Mai

Wenn Insekten die „Staude des Jahres“ wählen könnten, wäre es vielleicht die Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana ssp. niciciana). Auf kaum einer Zierpflanze im Garten tummeln sich so viele verschiedene Insektenfamilien wie auf dieser: Honigbienen, kleine Käfer, harmlose Feld- und Grabwespen, unschädliche Streifenwanzen – alle versammeln sich friedlich zum Nektarschlürfen auf den grüngelben Blütenständen. Dies meist ab Juni, denn dieses Gewächs mit zungenbrecherischem lateinischen Namen blüht deutlich später als die meisten anderen Euphorbien.

Eine Augenweide ist die halbkugelige Staude aber das ganze Jahr über und spätestens ab Mai, wenn auf zahllosen schlanken Trieben mit blaugrünen Blättern die noch geschlossenen Blütenstände erscheinen. Auf jeder Blüte schimmert wie ein Tautropfen eine winzige Perle, aus der später ein ebenso winziges hellorangenes Blütchen wird. Dann beginnt der Insektenreigen – und er dauert bis in den Spätsommer, denn die Steppen-Wolfsmilch blüht unermüdlich über viele Monate. Dafür benötigt sie nichts weiter also einen sehr sonnigen, trockenen Standort mit durchlässigem, gern auch steinigem Boden. Gießen muss man sie nur in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Pflanzung – danach kommt diese aus Osteuropa stammende Wolfsmilch selbst in Dürreperioden bestens alleine zurecht. Da sie wintergrün ist, sorgt sie auch in der kalten Jahreszeit für optische Akzente im Garten.  

Dünger wäre für sie schädlich und es besteht keinerlei Gefahr von Schneckenfraß. Sie wäre auch eine heiße Kandidatin für die „Pflegeleichteste Staude des Jahres“, denn die einzige Pflegeaufgabe im ganzen Jahr ist ein kräftiger Rückschnitt (wegen des phototoxischen Pflanzensafts vor allem bei Sonnenschein mit Handschuhen). Diesen nimmt man am besten zum Ausklang des Winters vor, wenn sie an den Spitzen neu austreibt. Schneidet man sie gar nicht zurück, verlängern sich die alten Triebe immer weiter und die Pflanze ähnelt irgendwann einem zauseligen Haarschopf. Im April – solange sich noch keine Blütenknospe gebildet hat- lässt sich die Steppen-Wolfsmilch gut über Stecklinge vermehren. Auspflanzen kann man diese ab dem folgenden Frühjahr – also keinesfalls im Herbst, denn winterliche Staunässe lässt sie in den ersten Jahren leicht absterben. Am richtigen Standort wird die Steppen-Wolfsmilch mit den Jahren immer üppiger, deshalb sollte bei dieser wunderbaren Staude bei der Pflanzung rundherum 30 bis 40 Zentimeter Abstand gönnen.