Der oder die Topinambur (Helianthus tuberosus) ist eine der letzten Nahrungsquellen für Bestäuberinnen im spätsommerlichen Garten. Als Kurztagspflanze blüht sie bei uns erst ab Mitte September und bis weit in den Oktober hinein. Sie kommt ursprünglich aus Mexiko und soll Anfang des 17. Jahrhunderts von französischen Auswanderern, die dank ihr in Nordamerika eine Hungersnot überlebt hatten, nach Europa geschickt worden sein. Sie war und ist unter vielen Namen bekannt: Indianerkartoffeln und Erdapfel sind nur zwei davon. Ihrer Blüte und dem Geschmack ihrer Knollen wird am besten die Bezeichnung Sonnenblumen-Artischocke gerecht.

Die Topinambur dürfte hierzulande das einzige Gemüse sein, dass im Anbau keinerlei Arbeit macht – ganz im Gegenteil: Da sie bei uns fast keine Fressfeinde hat und im Frühling selbst aus kleinsten Stückchen ihrer Rhizomknollen neu austreibt, kann sie im Gemüsebeet lästig werden. Am besten baut man eine Wurzelsperre ein, damit sie im Laufe der Jahre nicht den Garten unterwandert. Man kann sie auch in großen Töpfen kultivieren, muss dann allerdings regelmäßig gießen. Im Beet ist dies dagegen selbst in trocken-heißen Extremsommern wie dem aktuellen praktisch nicht erforderlich. Ins Hochbeet sollte man sie wegen ihrer Wuchshöhe von zwei bis drei Metern eher nicht pflanzen. Wenn man sie kurz halten möchte, kann man sie aber regelmäßig köpfen und mit den Blättern Kaninchen füttern – sie treibt immer wieder neu aus und wächst dann kompakter. An den Boden stellt sie keine Ansprüche und kommt sehr gut mit lehmiger Erde in voller Sonne zurecht. Die Ernte und das anschließende Säubern der Knollen fallen bei lockerer Erde aber leichter.
Die Erntezeit beginnt im November, nachdem die Blätter vertrocknet sind. Anders als Kartoffeln verträgt die Topinamburknolle Frost, sogar sehr starken. Deshalb kann man den ganzen Winter über frisch nach Bedarf ernten. Wenn man das Beet mit Laub oder Grünschnitt bedeckt, kann man die Knollen auch bei Minusgraden bergen. Durch ihren hohen Inulin-Gehalt sind sie sehr gesund. Man sollte den Verzehr aber mit kleinen Mengen beginnen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.

Die kleinsten Knollen bzw. die bei der Ernte leicht abbrechenden Tochterknollen lässt man einige Zentimeter tief im Beet liegen. Ein Fruchtwechsel ist nicht nötig, sodass man sich ein ‚ewiges Beet‘ anlegen kann. Man muss allerdings aufpassen, keine Teile der Knolle – egal wie winzig – an Stellen zu verschleppen, an denen sie Schaden anrichten können. Die Topinambur ist in Mitteleuropa als potenziell invasiv eingestuft und kann durch ihren enormen Ausbreitungsdrang und ihre geringe Zahl an Fressfeinden heimische Pflanzen verdrängen.
Die weißlichen Knollen werden etwa so groß wie Kartoffeln und haben je nach Sorte eine bräunliche bis rosafarbene Haut, die nicht geschält werden muss. Im Gegensatz zu Kartoffeln kann man Topinambur auch roh verzehren, zum Beispiel geraspelt im Salat. Sehr gut schmeckt sie auch zusammen mit Kartoffeln gekocht und püriert als Suppe oder angebraten, wobei sie ihre Garzeit deutlich kürzer als die von Kartoffeln ist.
Fazit: ein Anfänger-Gemüse, dessen Ausbreitungsdrang man im Blick behalten muss, das aber mit seiner späten Blüte uns und Bestäuberinnen wie Honigbienen oder Hainschwebfliegen erfreut.
